kleinkind auf mamas arm

Zwischen Liebe und Klarheit

Warum Mütter keine besten Freundinnen sein müssen

Als Familienfotografin in Wien erlebe ich tagtäglich viele berührende Szenen aus dem Familienalltag. In meinem Studio treffe ich frischgebackene Eltern, die beim ersten Babyshooting oft noch unsicher sind – und manchmal begleite ich dieselbe Familie über Jahre hinweg.

Es ist wunderschön zu sehen, wie aus der Anfangsnervosität eingespielte Teams werden. Wie Eltern wachsen, um ihren Kindern die schönste Kindheit zu schenken.

Was ich auch sehe, sind Mütter und Väter, die jeden Tag ihr Bestes geben von ganzem Herzen und voller Überzeugung. Ich bin ein großer Fan von gegenseitigem Unterstützen und finde es immer wieder furchtbar zu beobachten, wie Mütter im Supermarkt schief angeschaut werden, wenn das Kleinkind einen Trotzanfall hat und lautstark brüllt. In dem Moment ist Veruteilen das Letzte, was man als Mutter braucht. 

Ich beobachte aber in den letzten Jahren auch eine ganz andere Entwicklung:
Mehr als die Hälfte der Eltern eines Kleinkindes sind überfordert mit ihrer Rolle.

Und diese Beobachtung tut mir weh – für die Eltern und für die Kinder.

Zwischen Freundin und Mutter – zwischen Kumpel und Vater

Viele Eltern wirken hin- und hergerissen. Zwischen „cool“ und „konsequent“. Zwischen liebevoller Nähe und notwendiger Führung. Und oft höre ich vor einem Shooting Sätze wie:

  • „Ich sag’s dir gleich – das wird ganz schwierig mit unserem Kleinen. Er bleibt keine Sekunde sitzen.“
  • „Ein NEIN akzeptiert sie nicht.“
  • „Ich weiß nicht, ob wir ihn umziehen können – das geht normalerweise gar nicht.“

Das Problem sind nicht lebhafte und authentische Kinder, denn das ist genau das, was ich im Studio haben möchte – dennoch bleibt bei mir das eine oder andere Fragezeichen zurück.

Warum glauben so viele Eltern, dass Kinder kein Nein akzeptieren können?

Warum ist es scheinbar so schwer geworden, liebevoll Grenzen zu setzen? Warum wird so oft ALLES dem Kind überlassen? Und warum fällt es vielen Eltern schwer, es auszuhalten, wenn ihr Kind wütend auf sie ist?

Ich glaube:
Weil Grenzen aus der Mode gekommen sind.
Weil Eltern Angst haben, zu streng zu sein.
Weil man im Freundeskreis komisch angeschaut wird, wenn man klare Regeln aufstellt und durchzieht.
Weil viele sich nicht trauen, anders zu handeln als das Umfeld.

Was Kinder wirklich brauchen

Kinder brauchen keine perfekten Eltern.
Aber sie brauchen zwei Dinge ganz besonders:

  • Bedingungslose Liebe

  • Eltern, die ihr Fels in der Brandung sind

Eltern, die:

  • ihre Kinder beschützen – immer und überall

  • Entscheidungen treffen – und nicht aus Angst vor Konflikt ausweichen

  • Grenzen setzen – liebevoll, aber konsequent

  • Emotionen aushalten – ohne sie persönlich zu nehmen

  • auch dann stark bleiben – wenn das Kind tobt, schreit oder „blöde Mama“ sagt

  • Regeln durchdenken – und auch dann daran festhalten, wenn’s unbequem wird

  • sagen können: „Ich bin da. Ich weiß, was zu tun ist. Du kannst dich auf mich verlassen.“

Ich sehe oft Eltern, die viel reden – aber nicht handeln.
Und Kinder, die genau das wissen. Die längst gelernt haben: Worte haben keine Konsequenzen.

Keine perfekte Welt, sondern starke Kinder

Ich wünsche mir keine Kinder, die perfekt „funktionieren“.
Ich wünsche mir Kinder, die streiten dürfen, die sich reiben, die ihre Eltern testen.
Denn genau das formt starke Persönlichkeiten.

Einmal sagte ein Vater zu mir:

„MEINE Aufgabe ist es, lebensfähige junge Menschen aus meinen drei Töchtern zu machen – die nichts so leicht aus der Bahn wirft.“

Ich finde das sehr vernünftig.
Denn gleichzeitig bester Freundin sein zu wollen UND erziehen zu müssen – das funktioniert nicht.
Nicht in den ersten Jahren. Und schon gar nicht in der Jugend.

Freundschaft kommt später – wenn die Zeit reif ist

Wenn Kinder erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen – dann ist es das schönste Kompliment, wenn ein echtes, freundschaftliches Verhältnis entsteht.

Meine erwachsene Tochter ist heute meine beste Freundin.
Mein Teenager-Sohn hat mir vor Kurzem gesagt:

„Es war gut, dass du so streng warst. Ich hab das echt gebraucht.“

Hab ich immer alles richtig gemacht? Bei weitem nicht… Ich habe mir größte Mühe gegeben, allen gerecht zu werden und immer fair, überlegt und konsequent zu sein. Aber war das jeden einzelnen Moment möglich? Natürlich nicht.

War das immer leicht? Oh nein – ganz und gar nicht. 

Ich erinnere mich an Phasen, da war ich völlig am Ende – erschöpft von den Machtkämpfen, am Zweifeln an mir selbst. Ich musste vieles neu denken, weil es nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Meine Kinder durften nicht fremdes Eigentum ruinieren.
Sie durften nicht über die Straße laufen oder in Steckdosen greifen.
Sie mussten Hauben tragen, wenn es draußen kalt war. Meine Tochter durfte auch nicht in meinen Babybauch treten! Weder aus Spaß, noch wenn sie zornig war.

Und ja, manchmal haben sie mich gehasst, weil ich ihnen Grenzen gesetzt habe.
Ich war blöde Mama.
Aber ich habe es ausgehalten.

Weil es mein Job war.
Nicht ihre beste Freundin zu sein –
sondern ihre Mutter.
Ihr Halt. Ihr Kompass. Ihr sicherer Hafen.

Du musst nicht perfekt sein. Nur echt.

Elternsein ist kein Beliebtheitswettbewerb.
Es ist große Verantwortung.
Und es ist Liebe – in ihrer tiefsten Form.

Du darfst Fehler machen. Du darfst an deine Grenzen kommen.
Aber du musst bereit sein, deinem Kind den Halt zu geben, den es braucht.

Nicht durch endlose Diskussionen.
Sondern durch Klarheit und Konsequenz.

Denn Kinder, die spüren, dass du weißt, was zu tun ist,
werden dich später nicht nur lieben –
sie werden zu Dir aufblicken und Dich schätzen.

In diesem Sinne wünsche ich mir Mütter, die ganz auf ihre Intuition vertrauen.

Ich wünsche mir beste Freundinnen, die durch ihren Blick von außen wertvolle Anregungen geben können,  ohne befürchten zu müssen, dass die Freundschaft zerbricht, wenn es unbequem wird.

Ich wünsche mir mehr denn je Frauen, die weg von Perfektion hin zu Intuition gehen. Die sagen dürfen: “Es ist gerade schwer und ich bin machmal unsicher und weiß nicht weiter…”

Ich wünsche mir Frauen, die sich gegenseitig feiern und unterstützen mit Taten, Worten, Hilfe. Denn eines haben wir Alle gemeinsam – wir geben täglich unser Bestes.

Lasst uns gemeinsam die Welt der Mütter leichter und besser machen!