Heute erzähle ich Euch, warum Empathie wichtiger ist, als meine Kameraeinstellung
Seit meiner Kindheit höre ich immer und immer wieder: “Du bist so übersensibel!”
Das hat mich lange Jahre sehr verunsichert. Ist übersensibel gleichzusetzen mit schwach? Heute weiß ich – es ist einfach nur eine Eigenschaft, mehr zu spüren. Aber für meinen Beruf ist es ein riesengroßes Geschenk! Vorallem beim Newborn Shooting! Denn als Hochsensible spüre ich sofort, wie die Stimmung im Raum ist. Ob Jemand nervös ist, ob die Mama gerade überfordert ist, ob der Papa versucht, seine eigene Unsicherheit hinter lockeren Sprüchen zu verstecken. Ich merke, ob ein Baby entspannt ist oder ob es gleich unruhig wird, noch bevor es dafür Anzeichen gibt.
Früher dachte ich oft, dass man als Fotografin vor allem technisch ganz viel wissen muss. Und ja – natürlich muss ich wissen, wie meine Kamera funktioniert und wie ich das Licht setze. Aber: Egal wie gut ich die Technik beherrsche, den Babys ist das völlig egal. Ein Neugeborenes spürt nicht, welche Blende eingestellt ist. Es spürt, ob der Mensch hinter der Kamera Ruhe und Wärme ausstrahlt.
Und genau da liegt der Unterschied. Babys reagieren so stark auf Stimmungen, dass man es fast nicht glauben kann. Wenn ich innerlich ruhig bin, wenn ich dem Baby mit meiner Stimme, mit einem sicheren Griff und mit meiner Haltung signalisiere: Alles ist gut, du bist sicher – dann passiert etwas Unglaubliches!
Ich erinnere mich an eine kleine Maus, die beim Newborn Shooting total unruhig war. Sie wollte nicht schlafen, nicht liegen, auch nicht gehalten und getragen werden. Die Eltern wurden nervös. Der Mama war es so unangenehm, dass es nicht so klappte, wie „geplant“. Und ich? Ich habe mich einfach neben sie gesetzt, die Kleine gehalten, tief durchgeatmet und ihr leise etwas vorgesummt. Keine fünf Minuten später ist sie eingeschlafen. Und die Mama hatte Tränen in den Augen – nicht wegen den Fotos, sondern weil sie spürte: Hier darf einfach alles sein.
Genau deshalb habe ich mir selbst geschworen: In meinen Shootings gibt es keinen Zeitdruck. Ich habe nie einen Anschluss-Termin nach einem Newborn Shooting. Nie. Denn wie soll eine Mama loslassen können, wenn sie weiß: „Wir müssen hier schnell fertig werden“?
Ruhe ist der Schlüssel. Empathie ist der Schlüssel. Und die Erfahrung aus hunderten Newborn Shootings, die mir zeigt: Am Ende bekommen wir immer die Bilder, die das Herz berühren – ganz egal, wie lange es dauert.
Und das ist auch meine wichtigste Erkenntnis nach all den Jahren als Fotografin und Mama:
Herzensbilder entstehen nicht durch Technik.
Sie entstehen durch Verbundenheit. ✨